wir sind NICHT machtlos.

doch doch. die „deutschen bürger“ meinte ich schon auch. mir ging es aber weitreichender um ALLE bürger, die an einer beendigung dieses konflikts ernsthaft interessiert sind. und das MÜSSEN wir auch hierzulande sein, schon aus eigenem interesse, nämlich um eben diesen angenehmen friedenszustand aufrecht zu erhalten, in dem auch sie sich gern aufhalten, axel wesselhoeft.

der krieg in syrien ist eben nicht nur etwas schreckliches, das nur irgendwo weit weg stattfindet, sondern betrifft auch die innere sicherheit hierzulande zunehmend. das sollte der politische umschwung als resultat der sog. flüchtlingskrise wohl auch dem überzeugtesten wegseher inzwischen vor augen geführt haben.

wenn man sich nun aber nur als machtloser, kleiner bürger eines machtlosen, kleinen, pazifistischen, an den konflikten der welt vollkommen unbeteiligten staates namens deutschland versteht: ja, dann kann man wohl tatsächlich nichts machen. auch wenn sie, axel wesselhoeft, das so natürlich nicht gesagt haben.

denn, so sagen sie, man kann ja etwas machen. nämlich eine „militärisch entschlossene offensive gegen den is“ fordern. was genau verstehen sie denn darunter? die bundeswehr mit bodentruppen im großen stil runter nach syrien schicken, um da mal so richtig aufzuräumen mit dem terrorismus? die allgemeine wehrpflicht wieder einführen und leute wie mich (und irgendwann vielleicht auch sie?) im namen einer idee verheizen, die bei genauer betrachtung nicht mehr ist als ein deckmantel für geostrategische interessen?

dass mehr krieg keine effektive lösung gegen den krieg ist, dürfte der „war on terror“ und die mit ihm einhergehende explosionsartige entwicklung des is doch eigentlich gezeigt haben?

richtig, über die jahrhunderte haben sich viele kluge köpfe - philsosophen, wissenschaftler, politiker, aktivisten - darüber gedanken gemacht, ob und wie ein dauerhafter frieden herzustellen ist. leider wurden sie und ihre ideen immer wieder lächerlich gemacht und niedergeschrien von menschen und gruppen, die das gift derer geschluckt haben, die von permanenten kriegerischen auseinandersetzungen profitieren.

wie mehrfach gesagt, ich habe auch keine lösung (das zu behaupten wäre tatsächlich anmaßend), aber einen vagen denkansatz vielleicht. dazu ist zunächst eine neubewertung unserer eigenen rolle in diesem system erforderlich. ohne uns als bürger und financiers (!) dieses staates, dieses staatenbundes und dieser welt kann das system nämlich nicht funktionieren.

schritt 1 wäre also das (wieder)erlangen des bewusstseins, dass politik nicht nur aus den ewig gleichen, alten gesichtern, parolen und phrasen besteht, was auch dank unseres permanenten medienkonsums anscheinend in vergessenheit geraten ist. politik liegt, noch mal, in der verantwortung jedes einzelnen, und, da gebe ich axel wesselhoeft recht, besteht als erstes darin, in seinem direkten umfeld politisch zu agieren (wobei mich allerdings hier auch interessieren würde, was konkret axel wesselhoeft darunter versteht).

allerdings erschöpft sich die politische verantwortung des menschen als zoon politikon nicht darin, im eigenen umfeld politisch zu wirken und alle vier jahre zur wahl zu gehen, die partei zu wählen, die man immer wählt, und dann darüber zu jammern, dass die fratzen schon wieder nicht das gemacht haben, was sie versprochen haben, wobei auch das schon viel zu wenig war.

wie kann man also aktiv werden? ich bin kein politiker, möchte hier aber mal einen (vielleicht?) utopischen gedanken zum besten geben, den die selbsternannten „realisten“ unter den whicee-lesern und -commentern gern in der luft zerreißen dürfen:

wenn es der afd in so rasanter geschwindigkeit gelingen konnte, aus den ängsten der bevölkerung kapital zu schlagen, warum soll es nicht möglich sein, in ausreichend kurzer zeit eine parteipolitische antithese zu entwickeln? eine, die sich nicht den hass, sondern so etwas wie „angstursachenbekämpfung“ auf die fahnen schreibt? eine alternative zur alternative für deutschland sozusagen. entwickelt aus der bitteren, aber unvermeidlichen erkenntnis, dass die etablierten parteien darin versagt haben, einen stabilen friedenszustand herzustellen. und zwar eben nicht aus der von axel wesselhoeft behaupteten „machtlosigkeit“ heraus, sondern v.a. aufgrund von lobbyistischen verstrickungen.

wie wäre es mal mit einer neuen bewegung, meinetwegen auch in form einer partei, die - als antwort auf die angst - als einzigen grundsatz die bewahrung des friedens repräsentiert und sich ernsthaft und mit allen konsequenzen darum bemüht? mit einem zusammenschluss von wissenschaftlern, ideengebern, aktivisten und politikern, die, im gegensatz zu „unseren“ derzeitigen volksvertretern, keine eigenen ökonomischen interessen daran haben, dass dieser und andere kriege weitergehen? eine partei, die zumindest VERSUCHT, dafür zu sorgen, dass gelder und (auch wissenschaftliche) ressourcen, die bislang in rüstung und kriege geflossen sind, umgeleitet werden in friedensforschung, diplomatie, allgemeine fluchtursachenbekämpfung, wiederaufbau usw.?

wenn nun fähige menschen kämen und etwas wie diese vage idee mal ernsthaft und realistisch ausformulieren und eine partei gründen würden, würden sie so eine partei wählen, axel wesselhoeft, oder lieber ihren etablierten parteien treu bleiben? wenn letzteres, warum?

Syrienkrieg, Frieden, Parteien, Afd

http://www.bento.de/politik/aleppo-in-syrien-die-ikonischen-fotos-reichen-nicht-um-uns-wachzuruetteln-791484/

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