Zum Tod von George A. Romero

George A. Romero ist tot. Für mich eine irgendwie unwirkliche Nachricht. Einerseits ist es wohl grundsätzlich etwas seltsam, wenn jemand stirbt, dessen Schaffen und Wirken so sehr mit den wandelnden Toten vermählt ist im Gedächtnis der Popkultur. Bei Christopher Lee gefühlt ja ähnlich absurd. Andererseits gehört er für mich zu den ganz großen Namen meines Lieblingsgenres, und auch wenn die letzten Jahre keine sonderlich wichtigen oder großen Filme mehr von ihm sahen, gehörte er doch zu jenen, die das Gesicht modernen Horrorkinos mit wenigen Werken nachhaltig durchrüttelten und prägten.

Zombies waren im Grunde sein Verdienst, wenn er ihre cineastische Reinkarnation auch nicht vollständig alleine zu verantworten hatte. Der Weg von "White Zombie" (1931) bis "Night of the Living Dead" (1968) war ein weiter. Bevor Romero sich ihrer annahm, spielten sie eine eher untergeordnete Rolle in den Reihen der Filmmonstrositäten. Erst mit der Infusion von ein wenig Apokalypse und Endzeit, die vor "Night" bereits in dem sehr sehenswerten "Last Man on Earth" (1964) mit Vincent Price das Sujet adelten, gewann die Idee wieder gesondert Reiz und schwang sich zu einer der beliebtesten Spielarten des Horrorfilms auf.

Nach wie vor sind die Toten nicht totzukriegen. Romero kam es einst zu, die schlurfenden Horden endgültig auf den Weg zu bringen. Er hat sie nicht wirklich erfunden. Apple hat auch nicht den Computer erfunden. Aber was hat Apple daraus gemacht? Das was Romero aus Zombies gemacht hat. Etwas, das nichtmehr wegzudenken ist.

Bei Romero taumeln und schlurfen sie noch, mit der Würde und Gewissheit des sicheren Todes. Renne du nur, wir kriegen dich doch. Wir sind zu viele. Ihr Lebenden steht euch ausreichend selbst im Weg. Ihr strauchelt früher oder später, stolpert übereinander und unsere Zahl wächst. Es gibt keine Eile. Wir sind noch keine hektischen Irren, die glauben, dass ihnen die Zeit davonläuft. Unsere Religion ist der Tod. Wir verhalten uns entsprechend, halten euch den Spiegel vor. Lassen euch einen langen Blick reinwerfen. Nehmt euch die Zeit. "They are us.", meint Peter in "Dawn of the Dead" zu den anderen. But they are way more cool. Das sage ich. Dagegen fehlt den "Rasern" jüngeren Datums einfach die Souveränität und Ruhe. Der Tod ist ewig. Wozu also die Eile?

Filme Romeros, die nichts mit Zombies zu schaffen haben und dennoch sehenswert sind, gibt es auch. Ganz weit vorne sei sein Vampirfilm "Martin" (1977) genannt. "Creepshow" (1982) ist ein wunderbarer Film für Halloween. "The Crazies" (1973) eine Art Aufwärmen für "Dawn of the Dead" (1978). Das sind so meine Lieblinge neben seinen Zombie-Klassikern. Von seiner zweiten Zombie-Trilogie ist "Land of the Dead" (2005) noch recht nett. Die anderen beiden nicht so sehr.

Sein Output war jetzt nicht unbedingt Extensiv, aber mitunter sehr bedeutend. Wird mal wieder Zeit die vier guten Dead-Filme zu sichten.

Schlurfe denn wohl, George. Und steig unter laufenden Hubschraubern bitte auf keine Kiste. Das ist im Prinzip alles, was du dir von jetzt an merken musst. Adios.

George A. Romero, Zombies, Regisseur, Horrorfilm, Nachruf

https://youtu.be/9hXTy058dew

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