Zum Tod von Tobe Hooper

"Das Kettensägenmassacker", wie er weitläufig in meiner Kindheit genannt wurde und "Blutgericht in Texas", wie er wohl offiziell in Deutschland hieß, war ein Film, der mich viele Jahre wie üblich erst ordentlich teaste, ehe ich ihn, gerade volljährig geworden, endlich von einem Videothekar in Form eines selbstfabrizierten Video-Bootlegs über den Tresen geschoben bekam. Ich meine ich habe damals vierzig DM dafür gelassen. Der zweite Teil befand sich noch mit dabei.

Die Aufnahmequalität war ziemlich bescheiden, was ein bisschen Snuffmovie-Ambiente beisteuerte, also dem Grusel der Erstbeschauung eher noch zuträglich war. Wenn auch schade. Weil trotz seiner geringen Herstellungskosten mit Geldern der Mafia, die glaube ich sonst hauptsächlich in die Produktion von Pornos investierte, kam eine äußerst beeindruckend arrangierte und gelungen abgelichtete Gewaltorgie dabei heraus, die auch heute noch, am besten von einer richtigen Leinwand herab, Kinnladen sacken lässt.

"The Texas Chainsaw Massacre" (1974) ist ein Werk, das so geschickt und gekonnt mit seinen Gegebenheiten umgeht, dass das Hirn amok läuft. Es produziert Bilder im Kopf, die man hinterher gesehen zu haben glaubt. Doch die Einstellungen in den Exzessen sind zwar auf Wirkung getrimmt, zeigen aber in letzter Konsequenz nie das, was man, gerade heutzutage, von einem Film diesen Titels und Rufs erwartet: Blood'n'Guts. Blut bekommt man, außer in einer einzigen, eher harmlosen Einstellung, nie zu Gesicht. Es gibt keine in Fleisch und Eingeweiden wühlende Kettensäge zu bestaunen. Null Splatter. Bezeichnend, dass gerade ein Film so dermaßen für das Splatter-Genre stehen sollte, der ganau das nicht ist. Ein Splatterfilm. Zumindest wenn man "Splatter" als etwas definiert, das vor den Augen der Zuschauer stattzufinden hat.

"TCM" ist ein kleiner Film. "TCM" ist ein schmutziger Film. Grindhouse durch und durch. Er ist aber auch ein verdammt gut gemachter wilder Streifen, der viel auf Suspense baut und den Horror aus seelischen Abgründen hebt, aus grotesken Interaktionen seiner Protagonisten und dabei auf keine Bremse treten muss, die eine Studioproduktion wohl irgendwo ab einem gewissen Punkt eingebaut hätte. Alles ist maximaler, expressiver Terror, ausformuliert bis zum letzten Buchstaben. Er braucht dabei kein Blut, um den Schrecken visuell abzukürzen. Hier gibt's auf die Fresse. Ordentlich. Auch für den Zuschauer. Aber nie wirkt es albern oder billig. Grotesk ja. Oh ja! Ein wirkliches Filmkunstwerk der unangenehmen Art ist das.

Tobe Hooper ist jetzt auch gestorben. Vielleicht ist seinem Kumpel George Romero, der erst vor kurzem zur Löffelabgabe gerufen wurde, ja schon langweilig geworden "drüben". Tobe hat nicht viele gute Filme gedreht. Er landete vermutlich zu schnell in artfremden Gewässern und wurde wohl eher wegen seines Namens von Hollywood vereinnahmt, als wegen seines spezifischen Talents, das in kleinen, rohen Produktioknen eventuell besser aufgehoben geblieben wäre. Aber "TCM" ist ein Monument von einem Horrorfilm und wenn man geneigt ist durch den Staub, Schweiß und Schmutz zu blicken sogar ein Lehrstück spannenden Suspense-Kinos.

Rest in one piece, Tobe!

Horrorfilm, The Texas Chainsaw Massacre, Splatter, Grindhouse, Tobe Hooper

https://youtu.be/Vs3981DoINw